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Bloggen in Russland: Der Traum von der Online-Revolution

Alexej Nawalnyj ist ein russischer Blogger. Einflussreich. Und mutig. Er attackiert und provoziert das „System Putin“. Aufgrund seiner Aufdeckung der zahlreichen Unterschlagungen der russischen Politiker-Elite konnte er „im Netz die Herrschaft der Ironie und des Zynismus brechen, die das System stabilisierte.“ (faz.net)

Nawalnyj, der Anwalt ist und einen Rückzug in den Westen ablehnt, sammelt akribisch Dokumente und Akten – und stellt diese Jedermann zur Verfügung. Jedermann: Das sind 38.000 User (Stand: Mai 2011), die täglich seinen Blog besuchen. Zudem gründete er das Internetportal Rospil, dort werden „Kontrolldaten über Staatseinkäufe und Manipulationen bei den obligatorischen Ausschreibungen“ zusammengetragen. Wie kommt er an diese Unterlagen? Viele Informanten vertrauen ihm mehr als den russischen Zeitungen. Außerdem kauft er geschickt kleine Aktienpakete und fordert anschließend Akteneinsicht in die Geschäftsberichte.

Spenden sind ihm sicher, weil er den Großen und den Großkonzernen auf die Finger klopft, die bspw. im ertragreichen Ölgeschäft Millionen- und Milliarden-Beträge „versickern lassen“. Freunde und Unterstützer hat er also. Doch Transneft, ein Öltransporteur, und der FSB, der Staatssicherheitsdienst, gehören nicht dazu.

Er kämpft gegen die Korruption sowie gegen „Beschönigung und Verschleierung“ der Kremlpartei Einheitliches Russland, die er entlarvend „Partei der Gauner und Diebe“ genannt hat. Mut hat er tatsächlich. Zudem arbeitet er mit prägnanten und sarkastischen Bildern: „Russlands Twitter-Präsident erscheint ihm als Kanarienvogel, den die bösen Jungs im Käfig mit sich führen, um die übrigen Bewohner des russischen Waldes zu täuschen.“

Nawalnyj nutzt die Möglichkeiten des Webs virtuos aus. Doch es ist eine Freiheit innerhalb einer Reglementierung. Denn die bisherige Freizügigkeit des russischen Internets kann eingeschränkt werden. Und: Er ist bislang „ein Held ohne Offline-Anhängerschaft“. Nach Umfragen kennen „ihn 93 Prozent der Bevölkerung gar nicht“. Er will die russische Zivilgesellschaft aufrütteln und mobilisieren. Doch wie hoch und effektiv ist seine Reichweite?

„Er ist ein Vertreter des anonymen Internet-Volks, der sich als moderner Ritter versteht und mit Finten die Burg des Königs angreifen will.“ (jetzt.de) Dabei braucht er viel Glück und Verstand. Und einen langen Atem.

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