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Tageslicht und Sozialverhalten. Oder: Über Primaten und Speiseeis

Endlich. Die Tage werden behutsam länger. Man bekommt langsam wieder eine Ahnung von der Möglichkeit (oder es ist der drängende Wunsch), bei 23 Grad Celsius in der Sonne zu sitzen – umgeben von Freunden, auf einer Wiese, mit einem delikaten Speiseeis in der Hand. Sonne und Tageslicht: Wir assoziieren damit in der Regel bzw. bevorzugt Freizeitaktivitäten unter dem freien Himmel. Meist sind wir dann, mehr oder weniger freiwillig, umgeben von Artgenossen. Man kann behaupten, dass Sonnenlicht das Sozialverhalten beeinflusst respektive fördert.

Jedoch ist dies das Ergebnis einer sehr langen Entwicklung, die vor vielen Millionen Jahren ihren Anfang nahm: „Vor 52 Millionen Jahren schlossen sich urzeitliche Primaten erstmals zu Gruppen zusammen und ebneten damit den Weg für das heutige Leben in der Gesellschaft. […] Das Leben in großen, zunächst lockeren Gruppen sicherte das Überleben im Tageslicht, vermuten britische Forscher im Fachjournal Nature.“ (Spiegel)

Die Einzelgänger gingen in dieser Zeit „erst im Schutz der Dunkelheit auf die Suche nach Nahrung. Dieser Lebensstil als einsamer Jäger und Sammler in der Nacht bot Schutz vor Feinden.“ (SZ) Doch die Jagd am Tag bot mehr Möglichkeiten. So änderten die Primaten ihr Verhalten und wurden zu tagaffinen Jägern, die damit allerdings mit dem Risiko konfrontiert wurden, von Fressfeinde oder größeren Jägern gejagt zu werden. Die Folge: „Um sich zu schützen, schlossen sich die Vorfahren der heutigen Primaten zu größeren Gruppen zusammen.“

Die oben erwähnten Wissenschaftler sehen in diesem Übergang den Zeitpunkt, zu dem sich auch das Sozialverhalten (durch das Sonnenlicht) gravierend veränderte: Die „Ahnen aller heutigen Primaten begannen, in sozialen Gruppen zu leben.“

An diese Entwicklung sollten wir Menschen denken, vielleicht dann, wenn wir bei 23 Grad Celsius dicht gedrängt, zwischen vielen anderen Menschen, im Zoo vor dem Makakenkäfig stehen, mit einem delikaten Speiseeis in der Hand – und uns darüber amüsieren, dass und weshalb sie sich gegenseitig das Fell reinigen.

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