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Die Zukunft des Lichts: Datenquelle mit Wohlfühlfaktor

Zur Einleitung und Erinnerung: Der letzte Blogbeitrag „Tageslicht und Sozialverhalten. Oder: Über Primaten und Speiseeis“ hatte, knapp formuliert, die Verknüpfungen zwischen Licht und Sozialverhalten zum Thema. Was mich ebenfalls seit einiger Zeit beschäftigt, ist das Potenzial moderner Lichttechnik, die über die banale Funktion des Lichts als reine Leuchtquelle hinausgeht.

Lichtquelle

Das Zukunftswort heißt OLED – organische Leuchtdioden. Noch handelt es sich um Pilotprojekte, beispielsweise bei der Siemens-Tochter Osram. Die bereits gängigen Leuchtdioden (LED) dominieren zunehmend den Markt, und weil verschiedene Wettbewerber auf diesen drängen, sinken die Preise bereits deutlich. In den kommenden Jahren könnte sich demnach auch die OLED-Technik zu einem sehr lukrativen und wachsenden Geschäftsfeld entwickeln. Wolfgang Dahmen, Vorsitzender des Vorstands bei Osram, spricht von einem „dramatischen Wandel“. (Handelsblatt)

Welche Technik steckt aber hinter den OLEDs? – „Bei der neuen Technik werden organische Halbleiter in hauchdünnen Schichten auf Glas aufgedampft. Fließt Strom, leuchtet das Material. Während bei der LED von einem kleinen leuchtenden Chip Licht punktförmig abgestrahlt wird, erzeugen die OLEDs eine leuchtende Fläche. So können zum Beispiel Fenster gefertigt werden, die tagsüber durchsichtig sind, und abends leuchten.“

Hinsichtlich der Haltbarkeit und Helligkeit allerdings muss die OLED-Technik noch den Kinderschuh-Status überwinden, die Prototypen bewegen sich momentan preislich im vierstelligen Bereich. Doch bei fortschreitender – und erfolgreicher – Entwicklung wird sich dies relativieren. Der Wettkampf, das Wettrennen um die Industriereife hat bereits begonnen.

„OLEDs sind interessant, um Flächen direkt als Lichtquelle zu nutzen. Sie erzeugen ein flächiges, diffuses Licht.“ Oliver Stefani vom LightFusionLab weiß um die technischen Möglichkeiten der neuen Lichttechnik. Zudem ist er sicher, dass „die Quellen für Licht und Information […] in Zukunft immer mehr zu einer Einheit verschmelzen werden“. (Handelsblatt)

Wohlfühlquelle

Flächen (zum Beispiel Tische oder auch Wände) werden demnach in Zukunft wahlweise als Lichtquelle oder als Display nutzbar sein, wobei das Licht nicht länger statisch, sondern dynamisch ist und somit positiv auf die Lichtnutzer wirkt. Bereits heute ist es möglich, so der Lichtforscher, die Lichtveränderungen während des Tagesverlaufs mittels LEDs nachzubilden und definierte Lichtszenarien zu realisieren. (Ideal und denkbar: Die Kombination von LEDs und OLEDs.)

Der Vorteil der Abkehr vom klassischen weißen Licht: „Durch das blaue Licht waren die Probanden signifikant wacher, im Speichel der Teilnehmer mit dem warmweißen Licht war hingegen deutlich mehr Melatonin – ein Hinweis auf Müdigkeit. Eine weitere Studie mit einer LED-Leuchte hat gezeigt, dass die meisten dynamisches Licht bevorzugen und dass es positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden hat.“ Das Ergebnis: gesteigerte Produktivität durch Verstärkung des Wohlbefindens.

Doch der Ansatz kann ideenreich weiter ausgebaut werden: Forscher des IAO (Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) haben eine dynamische Lichtdecke in einem Raum installiert, die sogar Lichtverhältnisse durchziehender Wolken imitiert. Ziel ist also die Nachbildung die Lichtverhältnisse des Himmels (beispielsweise an einem bewölkten Tag) – ohne direkte und bewusste Wahrnehmung durch die Personen innerhalb des Raums.

Das Ergebnis: „Die Nutzer empfinden diese dynamische Lichtführung offenbar als sehr angenehm: Bei einer Studie arbeiteten zehn Probanden vier Tage lang unter einer 30 mal 60 Zentimeter großen Leuchte. Am ersten Tag leuchtete die Lampe statisch, am zweiten Tag änderte sich das Licht langsam und am dritten schnell. Am vierten Tag konnten die Testpersonen sich eine Beleuchtungsart aussuchen: 80 Prozent entschieden sich für die schnelle Dynamik.“ (Handelsblatt) Die Lichtdecke suggeriert also die Arbeit unter dem freien Himmel – kein Wunder, dass somit das Wohlbefinden der Probanden steigt.

Datenquelle

Welches Potenzial besitzt die LED-Technik darüber hinaus? – Durch den Einsatz eines Modulators kann die Lichtquelle als optisches WLAN genutzt werden und dadurch der Datenübertragung dienen. Forscher des HHI (Heinrich-Hertz-Institut) nennen diese Technik VLC (Visible Light Communication). Die Funktionsweise: „Mithilfe eines Spezialbauteils, des Modulators, lassen sich die LEDs blitzschnell ein- und ausschalten, wobei Informationen als Einsen und Nullen übertragen werden. Das menschliche Auge nimmt die Lichtmodulation nicht wahr. Als Empfänger am Laptop reicht eine schlichte Photodiode. Sie fängt das Licht auf, eine Elektronik dekodiert die Information und übersetzt sie in elektrische Impulse, also die Sprache des Computers.“ (Handelsblatt)

Doch VLC soll keine Konkurrenz darstellen zu den üblichen Formen der Datenübertragung, sondern eine Alternative, ein weitere Option, wenn beispielsweise Funkwellen unerwünscht sind oder für Kabel der notwendige Platz nicht vorhanden ist. Weißlicht-LEDs kombinieren als Medium die Eigenschaften einer Licht- sowie als einer Informationsquelle.

Der Arbeitsplatz der Zukunft? – In einem Großraumbüro sitzen entspannte Menschen, es herrscht eine angenehme Atmosphäre, über ihnen eine Version des Himmels, der gleichzeitig relevante Informationen liefert. Der Gedanke macht Spaß und gefällt. Wir werden sehen, was aus diesen Ideen wird. In der Zukunft.

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