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Deutsche Bahn: Gutschein mit Hindernissen

Gewiss. Das Unternehmen Deutsche Bahn ist ein modernes Unternehmen. E-Ticket, QR-Code, Facebook, Twitter. Im Bereich Social Media ist die Bahn merklich ausbau- und verbesserungsfähig, teilweise sogar Vorreiter. Aus der Datenaffäre 2009 hat sie auch gelernt und Compliance wird seit dieser Zeit groß geschrieben. Das BDSG findet mittlerweile respektive hoffentlich nicht nur Leser, sondern auch Verantwortliche, die sich an dieses Gesetz halten.

Doch der (bildlich gesprochen) Zug steht still, wenn es um das Thema Gutscheine geht. Oder habe ich etwas falsch verstanden? – Die Idee: „Nichts Schönes zu erzählen? Jetzt ist es Zeit für gemeinsame Reiseerlebnisse!“ Das auf dem Foto abgebildete junge Paar hat sich nichts mehr zu sagen. Doch keine Bange: Die Bahn hilft hier quasi als rollender und stummer Paartherapeut. (Sorry, aber dieses Bonmot gönne ich mir.)

Wie geht es weiter im Gutschein-Text: „Gehen Sie jetzt zusammen auf Entdeckungstour, sammeln Sie viele neue Eindrücke und besuchen Sie zu zweit die schönsten Städte! … Lösen Sie einfach den beiliegenden Mitfahrer-Gutschein bis zum 30.04.2012 in einer DB Verkaufsstelle gegen ein kostenloses Ticket ein.“

Der Mitfahrer-Gutschein, der an mich, also an einen BahnCard-Inhaber verschickt wurde, beschränkt sich allerdings auf eine „einfache, innerdeutsche Fahrt“. Das sorgt natürlich für Gesprächsstoff, wenn man der Freundin auf der Hinfahrt mitteilt: „Du, übrigens, der Gutschein gilt nur für die Hinfahrt. Du musst dann die Rückfahrt selber planen.“ – Nein. Natürlich nicht, das würde ich nie so machen. Und das wissen die schlauen Menschen von der Bahn auch.

Also: Das Ticket für die Rückfahrt wird zum regulären Tarif erworben.
Niemand hat etwas zu verschenken, das ist eine sehr alte Weisheit. Und an dieser Rabattaktion kann man auch nicht viel kritisieren, ist es immerhin ein Rabatt über 50 %. Doch nach dem Umdrehen des Gutscheins wendet sich auch das Blatt. Denn es müssen einige Regeln, ich nenne sie Hindernisse, befolgt werden (ich zitiere den gesamten Text):

Dieser Gutschein
– gilt nicht als Fahrkarte. Bitte lösen Sie diesen Gutschein vor Fahrantritt in den DB Reisezentren oder den DB Agenturen gegen eine Fahrkarte ein. Kein Einlösen im Zug möglich.
– ist einlösbar bis zum 30.04.2012.
– ist gültig für Reisen bis 30.04.2012, außer freitags.
– gilt persönlich und ist nicht übertragbar.
– ist einmalig gültig und berechtigt die Begleitperson des eingetragenen BahnCard-Inhabers zu einer kostenfreien Fahrt in der Wagenklasse des BahnCard-Inhabers und ist gebunden an den Geltungstag und den Zielort seiner BahnCard-rabattierten Fahrkarte.
– ist nur in Verbindung mit der innerdeutschen Fahrkarte des BahnCard-Inhabers gültig, bei der eine Teilstrecke in Zügen der Produktklasse ICE, IC/EC zurückgelegt wird. Pro Fahrkarte kann nur ein Gutschein eingelöst werden.
– beinhaltet die City-Ticket-Funktion für die Begleitperson.
– gilt gegen Zahlung eines Aufpreises auch im ICE Sprinter und City Night Line.
– ist nicht kombinierbar mit anderen Aktionen.

Alles verstanden? Habe ich, doch mir schwirrt etwas der Kopf. Ich finde nicht, dass in diesem Zusammenhang etwas „einfach“ ist – bis auf die einfache (im Sinne von „einmalig“) Fahrt für die Begleitperson. Ich weiß nicht, ob ich mich bei dem Unternehmen Deutsche Bahn jetzt unbeliebt mache: Aber ich sage nicht „Danke“ für diesen Gutschein. Das geht anders, knapper und attraktiver.

Fazit: Das klassische Marketing verfügt nicht über die Möglichkeiten des Social Web. Was allerdings Serviceoptimierung, Produktrealisierung und Innovation anbelangt, so kann die Abteilung Kundenbindung von ihren Social-Media-Kollegen trotzdem noch etwas lernen. Aber: Natürlich bleibe ich der Bahn treu. Was auch sonst? Nur Fliegen ist schöner.

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